Epigenetik – so veränderst du deine Gene

Was wenn unsere DNA nicht in Stein gemeißelt ist und wir unsere Gene mit unkomplizierten und natürlichen Methoden verändern können?

Das ist keine Filmbeschreibung, sondern tatsächlich möglich. Das Forschungsgebiet der Epigenetik zeigt uns wie einfach wir gesund sein können.

 

Der Mensch ist mehr als die Summe seiner Gene

Lange Zeit ging man davon aus, dass unsere DNA als Träger der Erbinformation inklusive der Gene, einen festgeschriebenen Bauplan für unser Leben liefert, der kaum bis gar nicht veränderbar sei. Anhand der Epigenetik — einem noch relativ jungen Forschungsbereich — wird nun die Entwicklung eines Lebewesens unter Berücksichtigung äußerer Einflussfelder untersucht. Dabei spielen Faktoren wie Ernährung und Bewegung, aber auch psychische Belastungen wie Stress, eine ganz entscheidende Rolle.

Welchen Einfluss die Umwelt und unsere Lebensweise auf unsere Gene hat, wurde in Zwillings-Studien untersucht. Dabei hat man über einen langen Zeitraum den gesundheitlichen Zustand eineiiger Zwillingspaare beobachtet. Je nach Umwelteinflüssen, Lebensgewohnheiten (darunter Ernährungsweisen, Bewegungsprofile und psychische Konstitutionen) und anderen Lebensumständen entwickelten sich die epigenetischen Codes der einzelnen Zwillinge — trotz völlig identischer Erbanlagen — in verschiedene Richtungen. Experten stellten beispielsweise fest, dass epigenetische Veränderungen dafür sorgten, dass nur einer der Zwillinge anfällig für Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck wurde.

Du hast deine Gesundheit selbst in der Hand

Vermutlich ist dir der Satz “Das hatte deine Großmutter auch schon, das liegt in der Familie!” so oder so ähnlich schon einmal begegnet. Gemeint sind damit meist körperliche Beschwerden, in einigen Fällen auch schwerwiegende Erkrankungen, die über Generationen innerhalb der Familie vererbt wurden. Es scheint, als seien diese Familienmitglieder einem gesundheitlich vorgeprägten Status Quo — ihren Genen — “hilflos” ausgeliefert. 

Mittlerweile hat man jedoch herausgefunden, dass lediglich ein! Prozent aller Krankheiten auf unsere Gene zurückzuführen sind. Die restlichen 99 Prozent hast du mit der eigenen Lebensweise und dem eigenen Bewusstsein selber in der Hand. Unsere Lebensgewohnheiten bestimmen also darüber, welcher epigenetische Code sich in uns etabliert und ob oder wie er sich im Laufe der Jahre verändert. 

Ernährung als entscheidender Einflussfaktor bei der Genregulation

Anhand epigenetischer Mechanismen wird untersucht, wie die Aktivität eines Gens an- oder abgeschaltet werden kann. Die chemischen Strukturen, die sich auf oder in der Nähe der Gene befinden, können anhand von Umweltreizen Auswirkungen auf unsere Gene haben. Sie wirken wie Schalter. Vor diesem Hintergrund kann eine ungesunde Ernährung durch die Aufnahme von bestimmten Enzymen den genetischen Code verändern und dadurch bestimmen, welche Gene aktiviert und welche stummgeschaltet sind. Wenn du also auf eine gesunde Ernährung achtest, die zum Großteil aus pflanzlichen Nahrungsmitteln besteht, legst du damit den Grundstein, die Gene für die Entstehung von Krankheiten stumm zu schalten.

Bewegung hat positive Auswirkungen auf unsere Gene

Es wird zunehmend beobachtet, wie wir mit der Kraft unserer Gedanken und Gefühle unsere eigenen Zellen beeinflussen können. Geben wir anhand positiver Gedanken aktive Reize von außen in unser fein verästeltes Nervensystem, beispielsweise durch neue Denkmuster, stellt unser Gehirn neue Nervenverbindungen her. Lange im Gehirn verhaftete Muster können auf diese Weise allmählich ersetzt oder sogar ganz gelöscht werden. Dadurch haben wir die Möglichkeit, unser Gehirn immer wieder neu zu programmieren. 

Stress und Anspannung verhindern körpereigene Heilungskräfte

Unser Gehirn empfängt permanent Signale, die sich über Energiebahnen innerhalb unseres körpereigenen “Kommunikationssystems”, dem Bindegewebe (Faszien), ständig verbreiten. Lang anhaltender Stress, Anspannung und negative Denkmuster lassen dieses System mit der Zeit starr und unflexibel werden. Überspannte Muskeln und verfilzte Faszien sind die Folge — wir werden unbeweglich. Wir bekommen Schmerzen, verfangen uns schnell in weiteren negativen Denkmustern und der Körper reagiert erneut darauf. Veränderte Stoffwechselprozesse und eine aus dem Gleichgewicht geratene Hormonlage (beispielsweise aufgrund eines erhöhten Cortisolspiegels) können das Resultat dieser Negativ-Spirale sein und langfristig auf unsere Gene einwirken. Unsere Selbstheilungskräfte sind beeinträchtigt, die Gene für die Heilung, Ihr sogenannter “Innerer Arzt” ist stummgeschaltet. 

Gene legen also keineswegs den weiteren Verlauf unseres Lebens auf gesundheitlicher Ebene fest. Vielmehr bieten sie uns Gelegenheiten und stellen uns in vielen Bereichen vor die Wahl.

Vielen Menschen fällt es schwer das zu glauben, denn es bedeutet auch, dass man eine Erkrankung nicht einfach auf die Gene schieben kann oder man dem Arzt im weißen Kittel auch nicht einfach alles glauben sollte. Es bedeutet nämlich dass wir alle darüber entscheiden, wie sich die eigene Gesundheit im Leben entwickelt. Achtest du auf eine gesunde Ernährung, sowie regelmäßige und abwechslungsreiche Bewegung und einen achtsamen liebevollen Umgang  mit sich selbst, dann kann man trotz genetischer Prädisposition dem tatsächlichen Ausbruch bestimmter Erkrankungen vorbeugen.