Wir müssen über Endometriose sprechen!

Eine Krankheit mit vielen Gesichtern. 

Millionen Frauen leiden unter der chronischen Erkrankung Endometriose. Schätzungen ist es jede 10. Frau die betroffen ist, die meisten wissen nicht warum sie von solchen Schmerzen geplagt sind. Die Ursache ist und bleibt ein Rätsel in der Medizin, doch mit ca. 40.000 Neuerkrankungen pro Jahr, muss sich schnell etwas ändern.

Endo.. was?

Ich selbst spreche aus Erfahrung, denn mit 17 wurde bei mir eine fortgeschrittene Endometriose festgestellt. Irgendwie war ich erleichtert, denn nach jahrelangen Schmerzen, unzähligen Arztbesuchen ohne Befund und enormer Verzweiflung, kam ein Gefühl von Erleichterung auf. Endlich wusste ich, dass ich mir das ganze nicht nur eingebildet hatte. Aber nach der Erleichterung kam direkt auch eine Angst, “gutartige chronische Erkrankung” hieß es. Zwar ist es nichts lebensbedrohliches, aber chronisch, also von Dauer, also ein ziemlicher Einschnitt in die Lebensqualität.

Bei der Endometriose wird das Gewebe der Gebärmutterschleimhaut nicht wie gewöhnlich über die Periode vom Körper abgetragen. Die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium), die sich normalerweise nur im Innenraum der Gebärmutter befindet, wuchert im Unterleib und vernetzt sich mit den umliegenden Bauchorganen. Mit jedem weiblichen Zyklus schwillt das Gewebe an und verursacht die enormen Schmerzen. 

Die entzündlichen Endometrioseherde sorgen für Verklebungen der Geschlechtsorgane, sodass im ausgeprägten Fall eine Verklebung von Eileiter und Eierstöcken, es zur Unfruchtbarkeit der Frau kommen kann.

Verlauf?

Wie bei den meisten chronischen Erkrankungen gibt es eine mögliche Verlaufsform, jedoch kein Schema F, dass bei allen Betroffenen der Fall sein muss. Gerade deswegen, aber auch fehlender Aufklärung, ist es für viele Ärzte schwierig die Diagnose zu stellen.
Einige Beschwerden von Betroffenen werden oft nur als Menstruationsbeschwerden abgestempelt oder erst gar nicht ernst genommen, was dazu führt, dass zwischen der Erstsymptomatik und der Diagnosestellung meist viele Jahre liegen. 

Die typischen Hauptbeschwerden der Frauen sind: 

  • Bauch- und Rückenschmerzen, vor allem vor und während der Periode, oft ausstrahlend in die Beine 
  • veränderte Monatsblutung: stark oder unregelmäßig 
  • Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs 
  • Schmerzen bei Blasen und Darmentleerung, Darm- und Blasenkrämpfe 
  • Ohnmacht aufgrund von Menstruationsschmerzen

 

Ursache?

Leider und zum Frust vieler Frauen, weiß das niemand so genau. Meist wird von einer erblichen Komponente ausgegangen. Wenn man jedoch das Wissen über die Epigenetik (wir aktivieren oder deaktivieren unsere Gene durch unsere Lebensweise) beachtet, stellt man jede genetische Veranlagerung in Frage. Weitere Thesen zur Entstehung sind die der hormonellen Störung, Menstruationsrückfluss, Umwelteinflüsse und Gifte, sowie ein geschwächtes Immunsystem, welches anfällig für den entzündlichen Prozess im Unterleib ist. 

Eine amerikanische Studie von 2014 kam zu dem Ergebnis, dass die Einnahme der Pille das Risiko an Endometriose zu erkranken erhöhen kann. Besonders sind Frauen betroffen, die die Pille länger als 5 Jahren einnahmen. Im Vergleich zu Frauen, die nie mit der Pille verhütet haben, ist das Risiko der Frauen, die die Pille einnahmen, 2,4 mal höher an Endometriose zu erkranken. Laut den Studienergebnissen, haben Frauen, die schon in jungen Jahren die Pille verschrieben bekommen haben, ein erhöhtes Risiko. Ein spannendes und vor allem erschreckendes Ergebnis, was allerdings zu den steigenden Zahlen des verschreibungspflichtigen Medikaments passt. 

Therapie?

Wenn schulmedizinisch keine konkrete Erklärung des Ursprungs einer Erkrankung vorliegt, kann die Therapie entsprechend nur bedingt greifen. Je nach Ausprägung der Verwachsungen, werden diese operativ und meist endoskopisch entfernt. Die geläufige vereinfachte Erklärung (Blutung einer Frau führt zu den entzündeten Wucherungen) wird im schulmedizinischen Ansatz, symptomorientiert und nicht ursachenforschung behandelt. Die Periode der betroffene Frau wird mittels eines synthetischen Hormons (in der Regel der Pille oder der Hormonspirale) unterdrückt, sodass ein künstlicher Zyklus ohne Blutung hergestellt wird. Kurzweilig ist diese Möglichkeit mit Sicherheit für viele Frauen lebensrettend. So war es auch für mich. Ich hatte damals gar keine andere Möglichkeit oder anderes Wissen und habe die Spirale verbunden mit der Schmerzfreiheit dankend angenommen. 

Allerdings wurde mir auch irgendwann klar, dass es nur Symptombehandlung und keinesfalls die Lösung des Problems ist. 

Alternativen?

Der menschliche Körper ist ein faszinierendes in sich geschlossenes System, welches sich nicht ohne Grund selbst zerstören möchte. Wenn eine autoimmun ähnliche Erkrankung vorliegt, muss es folglich eine Ursache dafür geben. Meist ist es eine multifaktorielle Gesichte, also ein Zusammenspiel aus vielen einzelnen Faktoren, die zu der Entstehung einer Erkrankung führen. Deshalb sollten der Lebensstil, Ernährung, Umwelteinflüsse, unbekannte Infektionskrankheiten, Immunschwäche, fehlende Vitalstoffe und vor allem psychologische Faktoren genauer betrachtet werden. Letzteres wird häufig nicht beachtet, da Endometriose eine offensichtlich physiologische Erkrankung darstellt. Allerdings wissen wir auch, dass es oft ungelöste Konflikte, verdrängte Traumata und unbewusste Energien in uns sind, die sich von mentaler auf die körperliche Ebene übertragen. Je nach individueller “Schwachstelle” oder Konflikt Thematik kann auch eine Krankheit wie Endometriose ihren Ursprung in einem ungelösten Thema haben. 

Fazit

Letztlich muss jeder für sich eine Entscheidung treffen, wie man mit seiner Erkrankung umgehen möchte. Mein Anliegen ist es jede Frau zu ermutigen sich mit der Thematik, dem eigenen Körper und dem eigenen seelischen Wohlbefinden auseinanderzusetzen und eine rein einseitige und aussichtslose Behandlung zu hinterfragen. Bei mir hat es auch ganze zehn Jahre gedauert den Mut zu erfassen, synthetische Hormone abzusetzten und auf die Selbstheilungskraft meines Körpers zuvertrauen. Ein ausgeglichener, ganzheitlicher Lebensstil ist dafür maßgeblich. Die regelmäßige und bisher befundfreie Kontrolle bei meiner Gynäkologin bestärkt mich, dass ich auf dem richtigen Weg bin.