Das Ungewisse – Wenn die Angst über die Angst zunimmt

Wenn der Körper heftig reagiert: das Herz pocht, die Hände schwitzen, alles dreht sich, die Sinneswahrnehmungen nehmen ab, ein Gefühl von Kontrollverlust und Ohnmacht breitet sich aus.

Menschen, die diese und weitere Symptome wahrnehmen leider an einer Angst- oder Panikstörung.

Die Betroffenen leben in Folge einer solchen Angst oder Panikattacke in ständiger Angst wieder so eine Symptomatik erleben zu müssen. Das heißt die Angst vor der Angst, auch Erwartungsangst genannt, schleicht sich als Dauerzustand ein.

Ein Teufelskreis

Angst- und Panikzustände äußern sich als eine Kombination aus körperlichen unangenehmen Empfindungen, belastende Gedanken und beunruhigende Emotionen. Auf der physischen Ebene werden Symptome wie schnelles hektisches Atmen, Schwitzen, Herzrasen, Schwindel, Brustenge und Atemnot wahrgenommen Diese können erste Anzeichen für eine entstehende Panikattacke sein. Resultierend folgen ängstliche Gedanken, welche als Verstärker der körperlichen Wahrnehmung fungieren und eine weitere Bedrohung für den Betroffenen darstellen.

Haben Körper und Geist erst einmal dieses negative Erlebnis abgespeichert, wird ein Muster verankert vor dem wir uns selbst schützen wollen. Ein Gefühl von Ohnmacht und Kontrollverlust breitet sich aus. Gut nachzuvollziehen, dass sich eine Art von Erwartungsangst, also die Angst vor der Angst, bei den Betroffenen manifestiert.

Um kurzfristige Lösungen zu schaffen und Erleichterung zu verspüren, werden gewisse Situationen, Orte, Menschen, die die Angst einer Panikattack verstärken, aktiv gemieden. Was zu Beginn als ein harmloses Vermeidungsmuster aussieht, stellt langfristig für die Menschen eine starke Einschränkung der Lebensqualität dar.

So brichst du aus

Die gute Nachricht vorweg, was unser Gehirn und unser Körper gelernt hat kann er auch wieder verlernen. Die etwas weniger gute Nachricht ist nur, dass es etwas Zeit und Disziplin benötigt. Die Belohnung jedoch zahlt sich aus. Denn verlernen wir die Angst vor der Angst sind wir eher davor geschützt in alte Muster zu verfallen, uns selbst einzuschränken oder Angstzustände wie eine Panikattacke zu bekommen.

  1. Die Angst wahrnehmen und annehmen

    Zunächst ist es enorm wichtig die vorhandene Angst nicht zu leugnen und ihr immer wieder aus dem Weg zu gehen. Akzeptanz ist die einzige Möglichkeit zur Überwindung der Angst. Es ist absolut okay die aufkommende Angst zu empfinden und zuzulassen. Durch ständiges Unterdrücken der Angst wird die vorhandene Symptomatik nur noch verstärkt, was die Wahrscheinlichkeit einer Panikattacke nur erhöht. Es ist wichtig die Angst bewusst wahrzunehmen um folgend diese Wahrnehmung zu verändern.

  2. Muster durchbrechen

    Sobald die vorhandenen Angst und deren Symptomatik anerkannt wird, kann die Reaktion auf diese verändert werden. Wenn man das Muster erst mal aufgedeckt hat kann man dieses durchbrechen. Die gewohnte Reaktion auf Angst und Panik (destruktive Gedanken, körperliche Symptome) wird in eine funktionale Reaktion (Entspannung, Ruhe) umgewandelt. Durch regelmäßige Achtsamkeitsübungen wird die Notwendigkeit des Lebens im Hier & Jetzt trainiert. Meditationen versetzt den Körper und den Geist von der Daueranspannung in eine nachhaltige Entspannung.

  3. Disidentifikation der Gedanken

    Ein Gedanke ist nur ein Gedanke. Aber oftmals hat dieser eine so große Kraft über unsere Gefühlswelt, dabei ist er weder rational begründbar noch möchte man ihm glauben schenken.
    Durch eine Durchbrechung mit der Identifikation der Gedanken, trennst du das Bewusstsein von den in dir aufkommenden Emotionen. Es ist ein Unterschied zu sagen “Ich habe Angst” und “Ich spüre, etwas in mir ist ängstlich”. Unsere Gedanken beeinflussen den Körper und Geist, bis zur Auslösung von Symptomen. Deshalb versuche dich stets von deinen Gedanken zu distanzieren, halte inne und frage dich, welchen Wert die Gedanken in dem Moment haben. Sind sie rational, begründbar, destruktiv oder funktional?

  4. Bewältigungsstrategien

    In Akut-Situationen kann es hilfreich sein, einige Bewältigungsstrategien parat zu haben. Immer wenn negative dysfunktionale Gedanken und Empfindungen auftauchen, können sie durch positive funktionale ersetzt  werden. Das können Entspannungsmethoden sein, Yoga, sportliche Aktivitäten, Musik, ein Hörbuch, ein schönes Buch oder eine lustiges Video.

     

  5. Zusammen ist man weniger allein

    Die Erwartungsangst sollte niemals den eigenen Alltag dominieren oder deine Lebensqualität nachhaltig beeinflussen. Wenn der oder die Betroffene allerdings unter einer solchen Belastung leidet ist es wichtig, professionelle Unterstützung zur Hilfe zu holen. Angstzustände und Panikstörungen sind weit verbreitete psychische Zustände, die gut zu behandeln sind, sodass eine zeitnahe Linderung erreicht werden kann.