Warum Depressionen ganzheitlich behandelt werden müssen

Die psychische Erkrankung Depressionen ist zur Volkskrankheit geworden. Immer mehr Menschen leiden an kurzen, länger andauernden oder wiederkehrenden depressiven Episoden. Allein in Deutschland sind laut neuesten Umfragen ca 4,1 Millionen Menschen (also über 5% der Bevölkerung) betroffen, die Dunkelziffer ist hoch und steigend.

Die typische schulmedizinische Behandlung schreibt Antidepressiva und Psychotherapie vor, doch vielen Betroffenen ist damit nicht geholfen und die Rückfallquote ist enorm hoch. Die Depression ist ein komplexes Konstrukt, dessen Behandlung durch Naturheilkunde, Ernährungsmedizin und durch achtsamkeitsbasierte Interventionen sehr gut unterstützt werden kann und sollte.

Definition Depression

Es ist wohl jedem schon mal die bekanntliche Laus über die Leber gelaufen. Allerdings ist eine Depression nicht mit einer schlechten Laune oder einer Verstimmung zu vergleichen. Im ICD-10 werden die psychischen Erkrankungen in den verschiedenen Diagnosen kategorisiert, so auch die Affektiven Störungen zu denen die Depressionen gehören. Die depressiven Episoden werden demnach in leichte, mittelgradige oder schwere Episoden unterschieden, bei denen der betroffene Patient unter einer Verminderung in der Affektivität, im Antrieb und einer gedrückten Stimmung leidet.  Außerdem sind der Verlust von Freude und das Gefühl von Begeisterung, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Hoffnungslosigkeit weitere Leitsymptome. Die Menschen leiden unter einem dauerhaften Schatten, der sich wie eine Höhe über alles im Leben drüber legt und ein Ausweg erscheint hoffnungslos.

Antidepressiva?

Geht ein Patient mit einer depressiven Verstimmung zum Arzt werden ihm oft leider zu schnell Antidepressiva verschrieben, sowie im besten Fall eine Überweisung zum Psychologen verordnet. Da Angebot und Nachfrage bei Psychotherapeuten schon lange nicht mehr im Verhältnis stehen und die Wartezeiten sich auf mindestens 3-6 Monate belaufen, kann keine ausreichende Kontrolle über die Medikation und das seelische Wohlbefinden des Patienten erfolgen.

Tatsächlich zeigt eine aktuelle Metaanalyse von 522 doppelblinden randomisierten Studien mit insgesamt über 110.000 Teilnehmern, dass 21 Antidepressiva wirksamer als das Placebo waren. Dieses Ergebnis wird in schulmedizinischen Fachzeitschriften und Medien laut postuliert. Vor allem weil (teilweise) die Aussage der Studie von Irving Kirsch angefochten wird. Kirsch generierte viel Aufmerksamkeit durch seine Untersuchung, die zeigte, dass die Wirksamkeit von Antidepressiva zu einem großen Teil auf dem Placeboeffekt beruht.

Das große Problem bei der Durchführung und der Veröffentlichung von pharmakologischen Studien, ist der selektive Umgang mit den Ergebnissen. Zeigt die Studie einen negativen Output für das Medikament, wird eine weitere Studie durchgeführt, und noch eine und noch eine bis nach ein paar Durchgängen eine signifikante positive Wirkung des Medikaments nachgewiesen werden kann.  Die Zulassungsbehörde für Lebensmittel- und Arzneisicherheit verlangt mindestens zwei klinische Studien, welche die Wirksamkeit des Medikaments bestätigen. Wie viel davor schon getestet wurde, welche Nebenwirkungen das Medikament (im Gegensatz zu dem Placebo) aufweist und welche Langzeiteffekte das Medikament wirklich aufweisen kann, bleibt ohne Beachtung.

Mögliche Ursachen  

Die Ursachen einer psychischen Erkrankung wie der Depression sind extrem vielschichtig

und ein Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren. Man spricht von psychosozialen und neurobiologischen Faktoren, genetischer Veranlagung und umweltbedingten Faktoren, welche in den meisten Erklärungsmodellen zu finden sind. Körperliche Funktionsstörungen wie eine Fehlfunktion der Schilddrüse, der Nebenniere, Hormonhaushalt, entzündliche Erkrankungen des Darms, Rheuma oder anderen chronischen Entzündungen, sowie  Autoimmunerkrankungen können ursächlich vorliegen und sollten abgeklärt werden.

In der Schulmedizin weniger anerkannte Zusammenhänge sind die von naturheilkundlicher oder ernährungsmedizinischer Natur, die allerdings lohnenswert sind zu betrachten. Denn Fakt ist ein Medikament heilt keine seelische oder körperliche Erkrankung aus dem Nichts. Der Körper und die Seele senden uns stets Botschaften und Hilfeschreie, die wir erkennen und anerkennen sollten.

Ernährung – Bewegung – Achtsamkeit

Ohne eine konventionelle Therapie ersetzen zu wollen, gibt es allerdings viele natürliche Hilfen, die die Betroffenen unterstützend anwenden sollten.

Ernährung

Wie du dir vorstellen kannst und vielleicht auch schon selbst die Erfahrung erspürt hast, steht unsere Ernährung im direkten Zusammenhang mit unserem Wohlbefinden. Es heißt nicht umsonst “du bist was du isst”. Menschen die an einer depressiven Verstimmung leiden haben meist keinen Antrieb um sich Gedanken um ihre Ernährung oder ihren Nährstoffhaushalt zu machen. Oftmals liegt bei einer depressiven Symptomatik eine Unterversorgung der Mikronährstoffe vor. Das psychische Erleben, Handeln und Denken werden von chemischen Signalsubstanzen wie Neurotransmittern, Neuropeptiden und Neurohormonen angefacht. Die Regulation dieser neurochemischen Reaktionen wird maßgeblich durch Vitamine und Spurenelemente gesteuert. Ein Mangel an Vitamin D, Vitamin B12, Vitamin C und Folsäure kann mit einer depressiven Verstimmung in Verbindung stehen.

Ein Vitamin D Mangel ist in Deutschland keine Seltenheit und sollte bei jedem regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls substituiert werden. Denn das Steroidhormon kann nur in den Monaten April bis September von uns selbst mit Hilfe der Sonne produzieren werden. Studien zeigen, dass eine hohe Dosierung von 20.000 IE Vitamin D pro Woche über ein Jahr hinweg, zu einer verbesserten Stimmung und Antrieb bei den Probanden mit einer depressiven Symptomatik führte.

Der Vitamin-B-Komplex, bestehend aus acht B-Vitaminen,  ist maßgeblich an unserem psychischen Wohlbefinden beteiligt. Die Vitamine B3 und B6 werden zur Herstellung von Serotonin benötigt um als Cofaktor die Aminosäure L-Tryptophan umzuwandeln. Gute pflanzliche Quellen findest du in der Nahrung vor allem in Linsen, Avocados, Kohl und grünen Bohnen. Vitamin B12 sowie Folsäure sind relevant bei der Produktion von S-Adenosyl-Methionin, eine Aminosäure, die für die Gehirnfunktion und das Nervensystem wichtig sind und fördert eine direkte anti-entzündliche Wirkung im Körper. Ein B12 Mangel wurde in vielen Studien mit Depression assoziiert, allerdings ist eine angemessene Dosierung von 1000 µg pro Tag notwendig. Dies kann nur durch ein Nahrungsergänzungsmittel abgedeckt werden.

Fazit: Eine pflanzenbasierte, frische und vitalstoffreiche Ernährung ist bei einer Depression unabdingbar. Es sollte außerdem auf Zucker, einfache Kohlenhydrate, sowie sehr fettiges Essen verzichtet werden.

Bewegung

Hier sind sich alle einig. Sport ist gesund, aktiviert die Endorphine im Körper, gleicht Stress aus, fördert soziale Kontakte und macht Spaß. Eine Studie der Forschungsgruppe der University of South Wales  bestätigt 2017, dass eine Stunde Sport pro Woche schon signifikant dazu beiträgt, Depressionen vorzubeugen. Wichtig ist langfristig die Regelmäßigkeit der sportlichen Aktivität, als dessen Intensität.

“Sitzen ist das neue Rauchen” ist nicht nur im Bezug auf körperliche Schmerzen zutreffend, auch Depressionen werden durch den sitzenden Lebensstil gefördert. Das Risiko an einer Depression zu erkranken erhöht sich um 44 Prozent , wenn Sport im Alltag keine Rolle spielt. Wie immer gibt es auch hier keine falsche Bewegung, Hauptsache eine wohltuende ausgleichende und vor allem spaßbringende sportliche Aktivität wird in den Alltag integriert.

Achtsamkeit

Die seelische Gesundheit benötigt viel Aufmerksamkeit. Werden die eigenen Bedürfnisse missachtet, unterdrückt oder verdrängt, sendet die Psyche Signale in Form von heftigen körperlichen und mentalen Symptomen. Auch die depressive Symptomatik kann ein Ausdruck von Fremdbestimmtheit, emotionaler Belastung wie Stress, traumatischen Erlebnissen und negativen Glaubenssätzen sein.

Vor allem der ständige Anstieg der Stresshormone Cortisol und Adrenalin gefährden die Gesundheit. In früheren Zeiten wurden diese Hormone durch körperliche Arbeit und Aktivität wieder abgebaut. Der träge, einseitige Alltag der modernen Lebensweise wirkt entsprechend entgegen und der Mensch befindet sich in einem zustand von Dauerstress.

Entspannungsmethoden wie Yoga, Progressive Muskelrelaxation, Atemübungen und regelmäßiges meditieren wirken sich nachweislich sehr positiv auf das allgemeine Wohlbefinden, Stresserleben aus und verbessern den Umgang mit emotionalen Belastungen.

Achtsamkeitstraining kann enorm dabei helfen den Fokus von der Erkrankung und  den negativen Gedanken zurück zur Freunde und zum wahren Selbst zu bringen. Es ist wichtig sich nicht mit der Erkrankung und den Symptomen zu identifizieren und eine eine Distanz zum Selbst und dem Bewusstsein zu schaffen.

Wenn du selbst betroffen bist, sei achtsam mit dir, sei mutig und lasse dir von Freunden und Angehörigen bei deiner Genesung helfen. Ganz viel Kraft und alles Gute.