Zucker: Das neue Kokain?

Machen wir es kurz: Zucker ist ungesund, das wissen wir alle! Aber welche Kraft steckt wirklich dahinter, wie sieht es mit dem Fruchtzucker aus und macht tatsächlich die Dosis nur das Gift?

Jeder Dritte leidet, meist ohne es zu wissen, unter einer zucker-bedingten Leberverfettung. Wir nehmen heutzutage mehr als 10 mal so viel Zucker zu uns, wie noch vor 150 Jahren, Tendenz steigend. Großbritannien führt die Zuckersteuer ein und in Deutschland soll bis 2025 ein freiwilliges Zuckerverbot in der Lebensmittelindustrie eingeführt werden. Aber reicht das?

Was im Körper passiert

Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass jede Art von Zucker (Saccharose), ob braun, weiß oder der aus Früchten, immer aus Fruchtzucker (Fructose) und Traubenzucker (Glucose) besteht. Durch die Resorption im Dünndarm, wird über den Blutkreislauf die Glucose in die Leber transportiert. Gleichzeitig wird in der Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin produziert, um zum einen die restlichen Organe mit Energie zu versorgen und zum anderen den Anstieg des Blutzuckerspiegels nach einer Weile wieder langsam zu senken. Wird nun zu viel Zucker aufgenommen, wird mehr Insulin produziert als die Organe eigentlich benötigen. Dieses überflüssiges Insulin wird dann ebenfalls in die Leber transportiert und dort zunächst gespeichert.  Wiederholt sich dieser Vorgang auf Dauer, verstopft die Leber, sprich sie verfettet und das überschüssige Insulin sucht sich andere Stellen im Körper wo es gespeichert wird, allerdings dann als Fett. Und so entstehen die bekannten aber nicht beliebten Problemzonen.

Wird eine Weile keine Nahrung aufgenommen, kommt der Gegenspieler zum Insulin, das Hormon Glucagon, zum Einsatz und baut zuverlässig nach und nach den Speicher ab und verteilt ihn an Organe wie Gehirn, Herz, Lunge usw. Aber nochmal: dieser Prozess kann nur aktiviert werden, wenn es zu keiner Nahrungsaufnahme (auch nicht in flüssiger Form) kommt. Das bedeutet der Körper benötigt für einen ausgeglichenen Zuckerstoffwechsel unbedingt Pausen zwischen den Mahlzeiten. Fünf kleine Mahlzeiten am Tag, lassen entsprechenden Insulin und Glucagon nie zur Ruhe kommen. 

Ein Apfel ist nicht gleich einem Glas Apfelsaft

Abgesehen davon, dass man für ein Glas Apfelsaft mindestens 5 Äpfel benötigt, ist die Zusammensetzung ganz entscheidend. Fruchtzucker in Form von Säften oder als Süßungsmittel ist immer in der isolierten Form vorhanden. Ein Apfel allerdings enthält die ganz wichtigen Ballaststoffe (nicht das Wort falsch verstehen, sie sind kein Ballast für den Körper), Vitamine und Mineralien, welche gemeinsam quasi als Handbremse der Glucose wirken. Sie bremsen und kontrollieren somit den stetigen Abbau und die damit verbundene Energieversorgung. Würden wir nur Zucker aus frischem Obst zu uns nehmen, würden die ganzen negativen gesundheitlichen Folgen des isolierten Zuckers nicht in diesem Ausmaß entstehen.

Zucker macht den Körper krank

Allem voraus gehen die massive Leberverfettung und die Schwächung des Immunsystems. Daraus resultieren ernsthafte Krankheiten wie Diabetes, Adipositas, Demenz, Krebs, Stimmungsschwankungen bis zur Depression, Nervosität, Schädigung der Darmflora, die Liste scheint endlos.  

Die Folgen kommen schleichend und unbewusst. Denn nachweislich werden bei dauerhaften Zuckerkonsum die ungesunden Essgewohnheiten im Allgemeinen gefördert und auch manifestiert. Vor allem sind Kinder gefährdet, denn in der Kindheit werden die Grundbausteine des Lebensstils und der Ernährungsgewohnheiten gelegt, welche sich zum späteren Zeitpunkt nur noch schwer und mit viel Disziplin ändern lassen.

Die Dosis macht das Gift

Durch die Insulinausschüttung entsteht auch das bekannte Glückshormon Serotonin. Aber bitte nicht falsch verstehen, denn 95% des Serotonins wird im Darm gebildet. Bei hohem Zuckerkonsum, bzw. dem mittlerweilen “normalen” Zuckerkonsum, ist die Darmflora durch beispielsweise Pilzbefall, oft stark geschädigt und das Serotonin kann nicht produziert werden.

Tatsächlich genügen dem Körper 2,5 EL Zucker, um ein Stimmungshoch und genügend Energie zu generieren. Eine höhere Dosis führt weder zu einem einem schnelleren noch einem längeren Effekt. Das Gegenteil ist der Fall: zu viel Zucker macht süchtig. Durch den Konsum werden die gleichen Hirnareale aktiviert wie von Alkohol oder anderen Drogen. In Tierversuchen konnte gezeigt werden, dass der hohe Zuckerkonsum zu neuen Verbindungen im Gehirn führt, was ein langfristiges Verlangen nach Zucker auslöst. Man kann es auch als eine Konditionierung auf Zucker bewerten.     

Zuckeralternativen

Wir alle brauchen ab und zu richtige Nervennahrung, da hilft auch der Apfel nicht mehr weiter. Greife dann am besten zur dunklen Schokolade mit einem Kakaoanteil von 80%. Die macht durch den Serotonin ähnlichen Stoff auch tatsächlich glücklich. Rohkakaoschokolade enthält darüber hinaus auch einen sehr hohen an Antioxidantien, die wiederum das Immunsystem stärken und vor freien Radikalen schützen.   

Fazit: Bewusstsein aktivieren!

Meide Zucker wo du nur kannst und schärfe deine Sinne. Achte vor allem bei Fertigprodukten und industriell hergestellten Lebensmittel auf den versteckten Zucker. Esse lieber ein Stück Obst, anstatt Fruchtsäfte und andere Softdrinks zu trinken. Und wenn es doch das Stück Schokolade oder doch mal der Kuchen ist, dann bitte in vollen Zügen und achtsam genießen.