Diagnose Burnout Syndrom – Was du tun kannst

Keine Diagnose wird so inflationär verwendet und bewertet wie das Burnout-Syndrom. Dabei darf man nicht zu laut hier rufen, denn wir alle sind in gewissermaßen gefährdet. Neuere Umfragen der Krankenkassen bestätigen nämlich, jeder zweite fühlt sich von einem Burnout bedroht, 20 Prozent der Deutschen sind bereits betroffen. Die Dunkelziffer dabei ist sehr hoch, denn viele wollen die Gefährdung erst gar nicht wahrhaben. Ist die Sorge gerechtfertigt oder ist es doch zu viel heiße Luft um nichts?

Machen wir uns nichts vor, das Leben besteht aus rasanten Anreihungen von Ereignissen und Erfahrungen, die uns Tag ein Tag aus in unserer Persönlichkeit fordern und stark beeinflussen. Viele davon sind sehr stressig, durch vorschnelle Bewertung negativ behaftet, einige vielleicht sogar traumatisierend und einschneidend. Leistungsdruck, soziale Anerkennung, enorme Erwartungshaltungen im Job und an die Beziehung, Zukunftsängste und weder Ausgleich noch ausreichend Entspannungsmöglichkeiten verstärken den psychosozialen Stress. Wird die Summe dieser Belastungen zu viel, sodass sie nicht mehr zu bewältigen sind, sondern unsere Grenze herausfordert, droht auch dieses Fass überzulaufen. Die Folge sind eine Bandbreite von physischen und psychischen Symptomen.

In den 1970er Jahren hat der Psychoanalytiker Herbert Freudenberger aufgrund seiner eigenen Symptomatik den Begriff Burnout Syndrom das erste mal geprägt. Er entwarf das 12 Stufenmodell zur persönlichen Einteilung des Syndromverlaufs. Bis heute gibt es keine klare Klassifikation in unseren Systemen für die Burnout Symptomatik. Die Betroffenen werden meist mit einer Anpassungsstörung, einer depressiven Episode oder einer Kombination aus beiden diagnostiziert. Bei einer Anpassungsstörung handelt es sich um
ein außergewöhnlich belastendes Lebensereignis, das eine akute Belastungsreaktion hervorruft, oder eine besondere Veränderung im Leben, die zu einer anhaltend unangenehmen Situation geführt hat und eine Anpassungsstörung hervorruft... ihre ätiologische Bedeutung doch nicht immer ganz klar… die Lebensereignisse sind weder notwendig noch ausreichend, um das Auftreten und die Art der Krankheit zu erklären. Die Störungen dieses Abschnittes bei schwerer oder kontinuierlicher Belastung angesehen werden, als sie erfolgreiche Bewältigungsstrategien behindern und aus diesem Grunde zu Problemen der sozialen Funktionsfähigkeit führen.” (Klassifikationssystem ICD-10, http://www.icd-code.de/icd/code/F32.-.html)

Da eine Anpassungsstörung früher unter eine depressive Reaktion oder reaktive Depression klassifiziert wurde, werden häufig auch Burnout Betroffene mit einer Depressiven Episode diagnostiziert. Die Symptomatik kann sehr ähnlich sein, muss sie allerdings nicht. Bei einer falschen Diagnostik und entsprechender Behandlung kann sich sogar die Symptomatik verschlimmern, deswegen ist die Abklärung durch einen Psychologen unbedingt wichtig.

Bei einem Burnout ist der schleichende Prozess der Symptomatik bis zum Ausbruch tückisch. Oft wird genau diese Erstsymptomatik als harmlose Stressreaktionen wahrgenommen, die “schon wieder weggehen wird”. Hier ist besonderes Feingefühl und Sensibilität für den eigen Körper notwendig. Würden man ähnlich wie bei den ersten Anzeichen einer Grippe sich direkt  Hilfe suchen, können weitere Folgen enorm reduziert werden.

Die Symptomatik kann so individuell sein, dass fast alle körperlichen und psychischen Zeichen ein Hinweis sein können. Hier die häufigsten Erscheinungen:

Körperlich

  • Erschöpfung und extreme Müdigkeit, Schlafstörungen
  • Muskelschmerzen, Verspannungen
  • Kopfschmerzen, Tinnitus, Migräne
  • Verdauungsproblematik
  • Engegefühl in der Brust, Bluthochdruck
  • Appetitlosigkeit oder Heißhunger vor allem auf ungesunde Sachen
  • Vermehrtes Suchtverhalten von Nikotin und Alkohol

Psychisch

  • Niedergeschlagenheit und depressive Verstimmungen, Antriebslosigkeit
  • Angstzustände und Panikattacken
  • erhöhte Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Ohnmachtsgefühl, Hilflosigkeit
  • reduziertes Selbstwertgefühl

Was du tun kannst

Sei fürsorglich mit dir und höre auf deinen Körper und auf deinen Geist, was er dir mitteilen möchte. Ist dein momentanes Stresspensum tatsächlich für dich zu stemmen oder bemerkst du körperliche oder psychische Zeichen, die auf eine Überlastung hinweisen? Sei ehrlich mit dir und mache dir nichts vor, es wird sich nicht lohnen. Um präventiv einer Überbelastung zu vorzubeugen hier ein paar Tipps:

  • Setze deine Prioritäten richtig und passe dein Zeitmanagement entsprechend an:
    Nehme dir die Zeit für gesundes Essen, statt Fast Food zwischendurch, sorge dich um deinen Sportprogramm, statt am Job einzurasten, tue dir regelmäßig etwas gutes, du brauchst die Zeiten der Regeneration um wieder mit neuer Energie durchstarten zu können, mache dir feste Termine in deinem Kalender
  • Verschiebe diese Termine niemals.
  • Sage auch mal Nein zu anderen Verpflichtungen und gehe offline.
    Die Welt da draußen wird schon auf dich warten, keine Sorge:)
  • Kläre deine Aufgaben, deine Position um unnötige Unklarheiten vorzubeugen und unnötigen Stress zu verhindern. Die richtige Kommunikation wird dir dabei helfen, egal ob in Jobsituationen oder Beziehungsdynamiken.
  • Ursache nicht Symptom behandeln. Der Job oder deine Beziehung sind nicht die Ursache für dein Stresserleben. Stress entsteht durch die eigenen Überzeugungen und die Bewertung der Dinge. Stelle dich deswegen deinen inneren Überzeugungen und betrachte die Glaubenssätze die dich so handeln lassen.
  • Beginne für deine Gesundheit selbst die Verantwortung zu übernehmen.

Wenn du glaubst, dass du inmitten eines Burnout bist..

.. dann suche dir bitte direkt Hilfe bei Freunden und Familie und auch bei einem Therapeut / Coach / Berater der dich durch diese Zeit unterstützen kann.
Jeder hat mal eine nervige Grippe zu überwinden und jeder kann auch ein Burnout durchstehen. Voraussetzung man gibt sich Zeit zum auskurieren und regenerieren.

In unserem Podcast Health up your life gibt es eine Spezialfolge mit Marleen Haberscheidt von modern-sangha.com, in der sie über ihre Erfahrung mit der Diagnose Burnout berichtet.